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Neues aus Togo – auch ein herzliches „Dankeschön!“

Nachdem ich eineinhalb Jahre gewartet hatte, war es im Februar endlich so weit: Ich konnte meine Semesterferien dafür nutzen, nach Togo zurück zu kehren.  Im März und April 2019 habe ich vier lange und trotzdem viel zu kurze Wochen in „ma deuxième patrie“ (meiner zweiten Heimat) verbracht.

Es war sehr schön, meine Familie, Freunde und Gastgeschwister wiederzusehen. Manchmal war es so, als wäre ich nie weg gewesen: nach einem Tag waren meine Ewe-Kenntnisse wieder da, auf dem Markt habe ich bei den gleichen Leuten eingekauft, ich habe wieder in meinen beiden Chören mitgesungen und meiner „Maman“ beim Kochen geholfen. Dass ich trotzdem mehr als ein Jahr nicht da gewesen bin, habe ich besonders an meinen kleinen Geschwistern gemerkt: sie sind unglaublich groß geworden, lernen wahnsinnig schnell Französisch und sind nun alle in der Schule und im Kindergarten… Auch an die Hitze musste ich mich noch einmal gewöhnen. Zum Glück hat aber nach meiner Ankunft in Togo die Regenzeit angefangen, sodass ich nicht nur manchmal etwas angenehmerer Temperaturen, sondern auch den ersten Regen dieses Jahrs miterleben durfte.

Besonders schön war auch das Wiedersehen in der Schule, dem Collège Protestant de Notsè (CPN). Seit diesem Schuljahr gibt es einen neuen Schulleiter, und auch im Kollegium gab es in meiner Abwesenheit einige Wechsel. Das habe ich aber als positiv erlebt, da die neuen, jungen Lehrer auch neue Ideen für den Unterricht und die außerschulischen Gruppen mitbringen. So gibt es seit Neuestem einen Debattierclub, der Literaturclub wurde auf zwei Jahrgänge ausgeweitet und die Schulfußballmannschaft trainiert nun ernsthaft unter der Aufsicht eines Lehrers. Aber auch einige andere Dinge haben sich verändert: In diesem Jahr macht der erste Jahrgang des CPN sein Abitur, was neben den Abiturvorbereitungen und -Prüfungen auch bedeutet, dass es nun erstmals alle Jahrgänge an der Schule gibt. Mit ca. 800 SchülerInnen ist das Collège noch eine kleine Schule; da es aber immer noch zu wenig Gebäude gibt, ist es ganz gut, dass die Schülerzahlen noch nicht, wie in anderen Schulen Notsès, auf 2000 angestiegen sind. In jeder Jahrgangsstufe gibt es weiterhin nur zwei Klassen, was ca. 50-60 SchülerInnen pro Klasse bedeutet. Die Raumsituation ist ebenfalls immer noch problematisch. Die zehn Klassenräume, die es zu meiner Zeit am CPN gab, wurden nur durch zwei weitere, behelfsmäßige Klassenzimmer erweitert, zwei weitere befinden sich aktuell im Bau. Richtig befestigt sind allerdings nur vier der insgesamt zwölf Räume, den anderen fehlen Wände, feste Fußböden und Fensteröffnungen. Die Klassen der 8. Jahrgangsstufe wurden aufgrund des Platzmangels ausgelagert; sie werden momentan in Gebäuden der Kirche in dem kirchlichen Zentrum „Ceproded“, wo ich auch gewohnt habe, unterrichtet.

SchülerInnen und Lehrer haben sich gefreut, dass ich wieder da war, und mir wurden stolz alle positiven Veränderungen gezeigt: die Bäume, die ich mitgepflanzt habe, sind nun über drei Meter groß, die Deutschklasse der Oberstufe, in deren Unterricht ich manchmal assistieren durfte, bereitet sich nun auf das Abitur vor und es gibt für die großen Schülerzahlen nun 51 neue Schulbänke, die durch die Spenden unserer Kirchengemeinde finanziert wurden.

Gemeinsam mit Maria, der momentanen Freiwilligen in Notsè, durfte ich wieder „meine“ Klassen unterrichten, am Unterricht anderer Lehrer teilnehmen und erneut die „Semaine culturelle“ (Woche der Kultur) erleben. Den Kindergarten, der sich mittlerweile in einem befestigten Gebäude befindet, habe ich auch besucht und der Tata (Erzieherin) wieder bei allen Aufgaben geholfen. Die meisten Kindergartenkinder aus meiner Zeit in Notsè sind nun allerdings Schulkinder, sodass ich nur ein paar der Kleinen kannte. Spaß hat es natürlich trotzdem gemacht.

Während meines Aufenthaltes in Togo habe ich viel Zeit in Notsè verbracht, da ich dort fast alle meiner Freunde und Bekannten habe und mich vor Einladungen kaum retten konnte. Eine kleine Reise habe ich allerdings doch unternommen, und diese stellt gleichsam den Höhepunkt meiner Wochen in Togo dar. Gemeinsam mit Kekeli, meinem früheren Chorleiter, und Essoninam, seiner Frau, sind Maria und ich für ein Wochenende in ein Dorf in den Bergen gefahren. Dort haben wir Kekelis Eltern besucht und ein für mich ganz besonderes Fest gefeiert: Die Taufe von Kekelis kleiner Tochter Nora Kafui. Ich habe während meines Togojahres nie eine Taufe miterlebt und fand es daher sehr spannend, nun eine erleben zu dürfen. Und nicht nur das, als Patentante für die kleine Nora war ich sogar direkt beteiligt! Im Anschluss gab es natürlich ein Fest, das ich mit meinem Lieblingsessen Fufu und viel Musik und Tanz sehr genossen habe.

 

Der Abschied nach den vier Wochen ist mir erneut nicht leichtgefallen. Aber als ich schweren Herzens mit Ananas, Yamswurzeln, Stoffen und Chilischoten bepackt ins Flugzeug gestiegen bin, wurde mir auch bewusst, dass ich natürlich wiederkommen werde. Und dafür gibt es, mit meiner Patentochter Nora, jetzt noch einen schönen Grund mehr.

Katharina Deppermann.